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Kies

7. Juli 2011

Fast jeder Hersteller von Handys bietet auch ein zugehöriges PC-Programm an. Damit kann man dann Daten synchronisieren, manchmal auch subtile Einstellungen am Handy vornehmen und die Firmware updaten. Samsung bietet für seine Smartphone Reihe hier die Software Kies zum kostenlosen Download an. Der Name „kies“ ist wohl koreanisch und hat eher nichts mit dem deutschen „Kies“ zu tun. Es wird aber offenbar so wie im Deutschen ausgesprochen: mit langem i. Was der Name aber genau bedeutet habe ich nicht rausgekriegt. Es gibt wohl in Korea eine Rappergruppe „sechs kies“, aber das hilft mir auch nicht viel weiter.  Vielleicht weiß ja jemand, der hier mitliest, mehr? Ich bin neugierig.

Die Software scheint es für mein Handy derzeit nur für Windows zu geben. Für andere Handys gibt es wohl auch Mac Versionen, insofern dürfen die Mac User noch Hoffnung haben. Linux Nutzer schauen aber wohl bis auf weiteres in die Röhre. Ich habe immerhin auf einem meiner PCs noch Windows und installiere mir daher das Ding mal. Ich bin allerdings auf das schlimmste gefaßt. Bei einem anderen großen ostasiatischen Hersteller habe ich da schon die Erfahrung gemacht, dass teilweise Spyware installiert wird und in den Lizenzbedingungen haarsträubende Dinge zum Datenschutz drinstehen. Hoffen wir mal, dass Samsung diesbezüglich vertrauenswürdiger ist.

Bereits beim Installieren wird mir per eingeblendeten Bildern vermittelt, was die Software alles kann. Es scheint auf zwei grundlegende Funktionen hinauszulaufen:

  • die Synchronisierung von Daten auf meinem PC mit meinem Handy und umgekehrt. Hierzu gehören Kontaktdaten aus Emailprogrammen, Termine, Musik, Videos und Podcasts
  • die Verwaltung, Reparatur und das Upgraden der Firmware bzw des Betriebssystems des Handys

Für ersteres brauche ich nicht unbedingt die Samsung Software – ich kann durch direkten Zugriff auf die SD-Karte über USB erledigen. Die Synchronisierung von Kontakten und Terminen kann ich auch über mein Google Mail Konto, das ich unter Android sowieso benötige, vornehmen (hierzu folgt noch ein Extra Bericht).

Die Software installiert sich und startet jedenfalls mal ohne Probleme. Andere waren da nicht so glücklich und hatten plötzlich den Bildschirm voll mit koreanischen Zeichen. Auch auch da fand sich aber offenbar eine Lösung.

Meine Firewall zeigt an, dass sie während der Installation und immer wieder beim Start aufs Internet zugreifen will, was wegen updates und ähnlichem grundsätzlich nachvollziehbar ist. Ich stelle meine Firewall aber so ein, dass das jedesmal neu abgefragt werden muss. So stelle ich sicher, dass Kies nur dann nach Hause telefoniert, wenn es dafür auch gerade einen handfesten Grund gibt und ich es mitbekomme.

Für die Synchroniserungsfunktionen bietet mir das Programm an, eine Bibliothek von vorhandenen Multimediadateien (Musik, Videos, Podcasts) anzulegen. Das ist grundsätzlich praktisch, weil man so direkt Zugriff auf alle Mediendateien hat, auswählen kann, welche man aufs Handy übertragen will, und sogar Abspiellisten erstellen kann. Die bei den Videos voreingestellte Vorschau-Funktion ist aber ziemlich unbrauchbar. Ich stelle auf Listenansicht um und nun geht es übersichtlicher zu.

Kies erkennt das Gio ohne Probleme

Nun kommt die Stunde der Wahrheit: Während Kies auf dem PC läuft, schließe ich das Handy per USB Kabel an. Den Debugging Mode deaktiviere ich diesmal nicht. Anders als vor der Installation von Kies erkennt nun mein Computer offenbar das Gerät und beginnt diverse Treiber zu laden (passiert nun beim ersten Mal). Nach einer Weile erscheint das Gerät als GT-S5660 unter Verbundene Geräte. Ich kann nun

  • Daten von meinem Gerät sichern (aber leider nur Kontakte und Lesezeichen – das Sichern von installierten Apps und der Konfiguration des Homescreens ist offenbar nicht vorgesehen)
  • die Firmware des Geräts updaten,
  • Dateien hin und her kopieren,
  • Videos beim Übertragen automatisch an die Auflösung und lesbare Formate meines Geräts anpassen
  • spezielle Samsung Apps in deren Shop downloaden, teilweise kostenlos, teilweise muss sie auch erst bezahlen (was aber offenbar auch mittels dieser Software geht)
  • eine Explorer öffnen mit dem ich den Inhalt der SD Karte wie auf einem USB Drive angezeigt bekomme.

Mich interessiert natürlich vor allem die Frage der Firmware-Updates. Denn das ist ja die einzige Funktion, für die ich tatsächlich Kies benötige. Im Internet wurde ja Android 2.3 für die Galaxy Serie bereits angekündigt. Aber Kies behauptet dennoch steif und fest, dass meine gegenwärtige Firmware Version mit Android 2.2 up-to-date ist. Muss ich wohl noch ein wenig warten. Immerhin bietet Kies auch eine spezielle Notfallwiederherstellungsfunktion bei mißglückten Firmware Upgrades an. Gut zu haben aber hoffentlich brauche ich es nie.

Auch die Video-Konvertier-Funktion könnte durchaus gelegentlich nützlich sein. Denn standardmäßig spielt mein Gerät nur einige wenige Videoformate ab. Dies läßt sich zwar durch andere Videoplayer, die mehr Formate (Codecs) kennen, erweitern, aber die Qualität ist nicht so berauschend. Es gibt allerdings auch andere frei erhältliche Software, die die Umwandlung für Android kann. Da werde ich mal mit experimentieren, was besser funzt.

Weniger interessant scheinen die Samsung Apps zu sein. Das Installieren ist zwar mit Kies sogar noch einfacher sein als aus dem Android Market, aber die Auswahl ist sehr begrenzt. Es gibt zudem keine Option nur die Apps anzuzeigen, die auch mit Android kompatibel sind – die allermeisten Apps scheinen für das Samsung Betriebssystem Bada programmiert zu sein. Jedenfalls ist da erstmal nichts dabei, was ich haben will.

Insgesamt werde ich diese Software wohl eher selten benutzen. Der Hauptnutzen ist die Möglichkeit von Firmware-Upgrades und das dauert offenbar in meinem Fall noch. Immerhin hat die Software nichts auf meinem PC kaputtgemacht und wohl auch nichts Böses im Hintergrund installiert. Und ich kann auch weiterhin auf das Handy als USB drive oder Webshare zugreifen. Die Software ist aber insgesamt nicht schlecht gemacht und für Leute, die weniger erfahren im Umgang mit Computern sind, aber ihr Handy mit Inhalten befüllen wollen, sicher sinnvoll.

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Diebstahlschutz und Backup

22. Juni 2011

Neben der Gefahr durch böswillig programmierte Apps gibt es noch eine weitere denkbare Bedrohung für aktive Smartphonenutzer: Was, wenn ich das Handy verliere oder es gestohlen wird? Dann bekommt womöglich der (unehrliche) Finder oder Dieb Zugriff auf die persönlichen Daten incl. Kontakte, Fotos, Telefonnummern und gespeicherte Passwörter. Dieser nicht so weit hergeholten Gefährdung wollen sich eine ganze Reihe von Apps und Diensten annehmen.

Von vielen empfohlen und auf den ersten Blick überzeugend wirkt das Konzept von Lookout Mobile Security. Neben der Funktion neu installierte Apps und Nachrichten zu scannen, haben die Macher hier noch diverse Funktionen für Backup/Restore und Schutz bei Verlust oder Diebstahl eingebaut:

  • Backup von Telefondaten, Fotos und Kontakten in einer Datenbank im Internet. Jederzeit Möglichkeit diese wieder herzustellen oder auch über die Webseite auszulesen
  • Lokalisieren von verlorenen gegangenen Handys mit Hilfe von Mobilfunkdaten und GPS. Das funktioniert erstaunlich gut bis auf ca. 50 m aber natürlich nur, wenn das Handy eingeschaltet ist.
  • ein lautstarker Alarm  kann über die Webseite ausgelöst werden. Zusammen mit der Lokalisierung sollte das auf jeden Fall genügen ein noch im öffentlichen Raum (Kneipen, Parks, Straßen) rumliegendes Handy wiederzufinden.
  • Sperren des Handys und Möglichkeit alle privaten Daten endgültig ferngesteuert zu löschen.

Soweit ich dies getestet habe, funktioniert es alles ganz gut und wie versprochen. Die zuletzt erwähnten Sperr- und Löschfunktionen allerdings sind nach dem 14 tägigen Testzeitraum der Premium-Version vorbehalten. Und die kostet stolze $29.99  pro Jahr oder $2.99 pro Monat. Das finde dann doch etwas happig und kucke erstmal weiter, was es sonst so noch gibt.

Das Top-Konkurrenzprodukt scheint Theft-Aware zu sein. Es kostet in der Vollversion einmalig 9,99 €. Klingt nicht nur gut, sondern besser. Es hat offenbar ähnliche Funktionen, aber noch einiges zusätzlich:

  • komplett unsichtbar (für Diebe und Finder), bzw. kann unter einem frei wählbaren Namen getarnt werden,
  • kann auch über SMS aktiviert werden,
  • übermittelt bei SIM Karten Wechsel automatisch die neue Nummer.

Die Bewertungen der meisten Nutzer sind positiv und auf einem Internetforum gibt es einen ausführlichen, ebenfalls positiven Test.

Aber jetzt denk ich doch noch mal nach, wie das im Ernstfall abläuft. Und dazu finde ich in der Diskussion zu obigem Test folgende bedenkenswerte Zeilen:

Eine Sperre ist das denkbar Bloedeste, es bringt den Finder erst recht auf die Idee im Netz zu suchen was nach akku raus und wieder rein so moeglich ist. und findet sicherlich Anleitungen fuer zu booten und eben auch zu flashen.
..
Es muss def einiges sehr gut laufen sein Tel.auf die Art wiederzubekommen. Das beste daran wenn ueberhaupt ist die uebermittlung der Nummer bei Simwechsel mehr nicht.

Spielt doch mal den Ernstfall im Kopf durch, Handy weg, schnell Ersatz suchen damit sms schreiben geht, dann zur angegebenen rückrufnummer gehen oder anrufen er solle die sms an deine email schicken weil du grade nicht in der nähe bist und das genutzte Handy leider kein smartphone ist das dir die Kordinaten auf Map anzeigen könnte.

Dann an einen Rechner gehen (einen suchen) email nachschauen ob GPS und all das übertragen wurde , dann dahin fahren auf 70 Meter genau und laut rufen wer hat mein Handy.
Naja also das mit der Nummerübermittlung macht einfach am meisten Sinn, Nummer des diebes anrufen und nett bitten er solle es dir doch wiedergeben.

Sinn macht das Programm nur wenn das Handy in einer dunkelen Ecke liegt, weil verloren und es sonst auch wirklich keiner findet und mitnimmt.

Die letztere Funktion habe ich schon mit der kostenlosen Variante von Lookout. Für ein Löschen des Handys kann ich sorgen, indem ich eine Sperre bei SIM Wechsel einrichte. Dies wird einen Dieb oder unerhrlichen Finder dazu zwingen das Handy komplett inklusive Firmware und Daten zu löschen, damit es für ihn wieder einen (Wiederverkaufs-)Wert bekommt. Gut, man sollte halt keine allzu privaten Fotos auf der SD-Karte haben.

Ob ich ein Programm wie Theft-Aware brauche, hängt also letztlich davon ab, ob ich im Schadensfall daran glaube, dass die Polizei die Sache ernst nimmt. Und genug Sachverstand besitzt, um mit Hilfe der Telefonnummer einen kleinen Dieb zu schnappen und mir mein Handy wiederzubeschaffen. Oder, ob ich das Risiko eingehen will, mich ohne Einschalten der Polizei mit dem Dieb zu treffen, um mein Handy (vielleicht) so schneller wieder zu kriegen. Das kann auch ins Auge gehen und teurer werden als der Verlust des Handys! Ich überleg mir das nochmal, denke aber, dass 9,99 € grundsätzlich ein fairer Preis ist. Ich denke, ich werde es kaufen, aber ohne Illusionen. Absolute Sicherheit gibt es nicht, weder auf dem Handy noch in der Gesellschaft, und schon gar nicht ohne einen Preis und ohne Risiko.