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Öffentlich unterwegs

21. Juni 2011

Früher, als Handys sich noch mit dem Internet schwer taten, gab es ja mal WAP. Das war ein spezielles Protokoll für den Internetzugang von Handys in Kombination mit einem speziellen Format für Webseiten. Die Idee war, Webseiten so darzustellen, dass sie auf dem kleinen Handy-Bildschirm gut zu benutzen sind. Gleichzeitig wollte man den Datenverkehr soweit komprimieren und minimieren, dass die Sache auch über schmalbandige Mobilfunkverbindungen flüssig lief. So richtig durchgesetzt hat sich WAP nicht vor allem, weil es zuwenig sinnvolle Angebote im Netz gab. Jeder Webmaster dieser Welt hätte eine speziell formatierte Version seiner Seite für Handys anlegen müssen. Das machten aber nur wenige.

mit der RMV App kann man direkt eine Fahrkarte kaufen

Eine sinnvolle Anwendung freilich gab es schon damals: Die Abfrage von Abfahrtszeiten im öffentlichen Nahverkehr. Das leuchtet ja auch ein. Wie oft steht man irgendwo in der Pampa an einer Bushaltestelle und irgendein Idiot hat den Fahrplan abgerissen? Handy Empfang habe ich aber fast überall. Selbst wenn ich so oder so warten muss, will ich doch wissen, ob es jetzt 5 oder 40 Minuten bis zum nächsten Bus dauert. Oder: draußen stürmt und regnet es und man sitzt irgendwo gerade im Warmen, wo man es auch noch ein paar Minuten aushalten kann. Da möchte man schon gerne wissen, wann der nächste Zug oder Bus geht, ob man besser im Warmen oder an der Haltestelle wartet. (Klar – Leute, die immer nur mit dem eigenen Auto fahren, haben diese Sorgen nicht. Dafür dürfen sie sich jeden Tag bei der Parkplatzsuche oder generell über ihre Mitautofahrer grün und blau ärgern. :o)

schlicht aber übersichtlich: die Fahrplanabfrage der RMV App

Insofern wundert es mich nicht, dass gerade Apps, mit denen man den öffentlichen Nahverkehr abfragen kann, in jeder App Hitliste ganz vorne auftauchen. Nicht nur die Bahn AG, sondern auch praktisch jeder Verkehrsverbund geht da mit einer eigenen App an den Start. Und soweit ich die mir angeschaut habe, tun die wohl alle ihren Dienst. Die App des Rhein-Main-Verkehrsverbundes ermöglicht es sogar, sich Fahrkarten zu kaufen. Das löst sie über einen kostenpflichtigen Anruf und verlangt daher auch die Rechte mit dem Handy rauswählen zu dürfen. Nicht so gut finde ich allerdings, dass der Fahrkartenkauf gleich immer als erstes voreingestellt ist. Schließlich gibt es auch Leute, die eine Monats- oder Jahreskarte haben und nur mal die Abfahrtszeit nachsehen wollen. Aber wenn man wirklich eine Fahrkarte online kaufen will, geht das in der Rhein-Main-Ebene nur mit dieser App.

Auch die Deutsche Bahn AG stellt mit dem DB Navigator eine gutes Program zur Verfügung. Man kann bequem und erstaunlich schnell alle Zugverbindungen für beliebige Strecken, Tage, Zeiten und Zugtypen abfragen. Die Suche funktioniert sogar besser als auf der Internetseite der DB. Will man ein Ticket buchen, wird man auf die mobil-Version der Internetseite weitergeleitet. Dort kann man sich das Ticket offenbar dann sogar per MMS auf das Handy schicken lassen. Bei Gelegenheit werde ich das mal ausprobieren. Hoffentlich geht dann meinem Samsung nicht gerade die Puste aus, wenn der Schaffner das Ticket sehen will. :-/

Kucken wir uns die private Konkurrenz an. Dazu gehört auch der Klassiker Google Maps + Navigation. Dort kann ich als Fußgänger in einem weiteren Schritt auswählen, dass ich den öffentlichen Nahverkehr verwenden will und bekomme dann entsprechende Infos. Auch hat fast jede lokale Stadtauskunft noch irgendwo Fahrpläne und Haltestellen mit dabei.

Aber die wirklich ernstzunehmende Konkurrenz zu den offiziellen Apps der Verkehrsbetriebe ist eindeutig Öffi. Dieses Programm besteht eigentlich aus zwei gesonderten Apps:

  • Öffi Verbindungen: um sich die nächste Verbindung zwischen einem Startpunkt und einem Ziel anzeigen zu lassen
  • Öffi Haltestellen: um sich die nächsten Abfahrten in der Nähe des derzeitigen Standorts anzeigen zu lassen. Dabei nutzt die App auch GPS und weiß somit, wo ich mich gerade aufhalte.

Öffi kann auch gut mit dem Querformat umgehen und zeigt dann auch noch einen Umgebungsplan. Und es stellt auf Wunsch die Fahrpläne und Anschlußverbindung auch noch grafisch dar. Sogar Netzpläne und Nachtbusverbindungen kann man einsehen. Interessant, wenn auch noch verbesserungsfähig, ist die Funktion, dass man Favoriten abspeichern kann. So spart man sich beim nächsten Mal die Tipperei. Allerdings muss man dazu die Haltestelle zuerst suchen und kann nicht aus jedem Kontext heraus Favoriten speichern. Wünschenswert wäre auch noch, dass man nicht nur Haltestellen, sondern auch selbstgewählte Points of Interest abspeichern könnte. Aber das kommt ja vieleicht noch in der nächsten Version.

Ich empfehle jedenfalls nicht nur die App zu installieren, sondern auch mal ausgiebig mit den Zusatzoptionen und Einstellungsmöglichkeiten rumzuspielen. Das ganze ersetzt locker den gedruckten Fahrplan von gleich einem dutzend Verkehrsverbünden. Und es ist grafisch einfach schön und übersichtlich gelöst. Wirklich ein Mehrwert fürs Smartphone und das auch noch kostenlos!

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Quick-Response

12. Juni 2011

Wer schon einmal ein Bahnticket im Internet gekauft hat, dem sind sicher die viereckigen Datenfelder aufgefallen, die dann im Zug von den Bahnschaffnern gescannt werden. Offenbar enthalten diese Felder eine ganze Menge Information, die jedenfalls genügt, um eine gültige Fahrkarte aus dem Ausdruck zu machen. Das Bahnticket ist ein spezieller Fall von sogeannten 2D Codes, wobei „2D“ für zweidimensional steht. In solchen Bildern werden Daten (also Zahlen, Buchstaben, Wörter, …) nicht nur durch Balken wie bei Barcodes, sondern auf einer Fläche symbolisiert. Das macht den Code robuster und für Lesegeräte leichter zu erkennen.

Ein besonders populärer und praktischer  Fall von 2D Codes sind die sogenannten QR-codes, ausgeschrieben Quick-Response-Codes. Das System wurde in Japan entwickelt und kann alle möglichen Zahlen, Buchstaben (und natürlich auch japanische Schriftzeichen) codieren. Für mein Handy besonders interessant ist, dass man damit auch sehr gut Webaddressen (sogenannte urls: http://….) codieren kann. Denn ich habe ja schon die Erfahrung gemacht, dass das Eintippen von Webaddressen mit der Touchscreen-Tastatur ganz schön mühsam und fehlerträchtig sein kann. Wenn ich die Internetaddresse einfach einscanne, wäre das deutlich einfacher.

Um damit zu experimentieren brauche ich erstmal eine geeignete App. Ich halte mich an die Empfehlungen der einschlägigen Webseiten und installiere QR-Droid. Davon gibt es:

  1. eine allgemeine Fassung, die die gescannten Adressen dann über das Telefonbuch oder auf anderen Wegen weiterverschicken kann.
  2. eine private Fassung QR-Droid Private, die wesentlich weniger Berechtigungen bei der Installation verlangt, aber auch die wichtigsten Funktionen kann, die ich bis auf weiteres ausprobieren möchte.

Das ist schon mal sympathisch, dass mir als Nutzer die Wahl gelassen wird. Ich entscheide mich für die private Fassung und bin so zufrieden damit, dass ich gar keine der vielen anderen Apps, die QR-Codes lesen können, mehr ausprobieren mag.

Was kann ich also nun damit machen?

  • Ich kann zum einen QR-codes, die auf Plakaten, Büchern oder Internetseiten angebracht sind, einscannen und auswerten. Mit den Ergebnissen kann ich dann sofort den Browser starten und direkt auf die Seite surfen. Das klingt nach einem perfekten Mittel für die Werbeindustrie. Sie kann damit z.B. Fahrgäste, die auf die S-Bahn warten, dazu überreden, mit dem Handy mal schnell auf ihre Webseite zu surfen oder diese sogar als Favorit abzuspeichern. Aber die Sache ist auch für andere Zwecke interessant z.B. für Fachbücher, wo man so einen schnellen Zugriff auf zusätzliche Information im Internet bereitstellen kann.
  • Ich kann aber mit QR-Droid auch selbst QR-codes aus urls oder Texten erzeugen und die Ergebnisse als Grafikdatei auf der SD Karte meines Handys abspeichern. Beispiele seht ihr neben diesem Text. Die so erzeugten Grafiken kann ich dann wiederum an andere weitergeben oder auf meinen Computer übertragen. Die Methode funktioniert auch umgekehrt: Ich speichere die url einer Seite, die ich auf dem Computer angesurft habe als QR-Grafik und zeige sie auf dem Computerbildschirm an. Nun halte ich mein Handy gegen den Bildschirm und scanne die Information ein. So spare ich mir das Abtippen.

Anders als die zuvor gestesteten Barcode-Leseprogramme kann QR-Droid auch direkt aus zuvor aufgenommenen Fotos lesen. Das heißt, ich muss nicht vor dem Plakat so lange posieren, bis der Scanner endlich sich festgekrallt hat. Ich mache einfach ein gutes, scharfes Foto aus der Nähe und scanne die Information später ein.

Soweit also was ich herausgefunden und quasi unter Laborbedingungen erfolgreich ausprobiert habe. Nun begebe ich mich zum Abschluss noch auf die Tour durch die Stadt und suche QR-codes. Eine Zeitlang waren die ja bei den Werbetreibenden ziemlich beliebt und auf vielen Plakaten zu sehen. Aber leider – diese Zeiten scheinen schon wieder vorbei zu sein. Selbst auf den Werbeplakaten der Mobilfunkprovider und ihrer Reseller kein einziger QR-Code 😦 Wär doch praktisch, wenn man bei einem interessant klingenden Angebot gleich mal auf die Webseite surfen könnte und die Vertragsbedingungen samt Kleingedruckten nachlesen könnte. Oder ist das vielleicht doch gar nicht erwünscht?

Immerhin finde ich dann doch noch einen QR-Code: auf einem Plakat der Rhein-Main-Verkehrsgesellschaft RMV. Damit komme ich dann direkt auf die WAP Seite des RMV, wo ich immerhin den Fahrplan abrufen kann. Na gut, für Android habe ich eigentlich schon eine RMV App, die noch viel mehr kann, sowie interessante Alternativen dazu (dazu später mehr). Aber immerhin: Es klappt auf Anhieb und die Sache ist ausbaufähig.

Fazit: QR-codes scheinen mir eine interessante Anwendung für das Smartphone zu sein. Ich werde mal versuchen, solche Codes hin und wieder einzubauen, zu verwenden, z.B. auf Webseiten, Blogs, Visitenkarten, Handzetteln, … Gerade auch für Künstler und Blogger sind sie interessant, weil man so Passanten und Vorbeigehende einfach auf die eigenen Kreationen hinweisen kann. Auch gute Sachen brauchen schließlich manchmal ein wenig Werbung. 🙂