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Nachrichtenjunkie

1. Juli 2011

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. Dieses deutsche Sprichwort ist schon längst wieder veraltet. Inzwischen wird die Aktualität von Nachrichten eher in Stunden als in Tagen gemessen. Ich ertappe mich selbst dabei, dass ich bei manchen Ereignisse und Stories mehrmals täglich bei Google News nachsehe, ob es schon eine neue Entwicklung gibt. Also macht es durchaus Sinn Nachrichten und vielleicht sogar Foto- und Videoreportagen vom Handy abrufen zu können.

Google News: nur eine Zeitung pro Nachricht

Erste Wahl ist dabei natürlich auch wieder das bei Android schon vorinstallierte Google News. Etwas überraschend ist, dass bei der App auf der ersten Karte erst einmal das Wetter angezeigt wird (Google Weather). Aber vielleicht ist das ja auch in Zeiten von Klimawandel und Hurrikankatastrophen die in Zukunft wichtigste Nachrichtenrubrik. 😉

Ich wechsle einstweilen auf die zweite Registerkarte Schlagzeilen. Anders als beim Internet Dienst Google News findet sich dort pro Thema nur der Link auf jeweils eine einzige Zeitung bzw. einen Artikel. Zwar gibt es auch noch weitere Rubriken wie International, Deutschland, Wirtschaft, Wissen/Technik, Gesundheit und ich kann auch eigene Kategorien definieren. Aber immer wird mir nur eine Zeitung pro Nachrichtenthema angezeigt. Das finde ich nicht so toll – der Vorteil von Google News war doch bisher gerade, dass ich viele verschiedene Stimmen und Meinungen zum selben aktuellen Thema gezeigt bekam. Auch in dieser Auswahl lag schon eine gewisse Willkür aber immerhin konnte ich noch mehrere Zeitungen und Autoren vergleichen. Wenn nun nur noch jeweils eine Online-Zeitung zum Zug kommt, dann wird der Dienst von Google endgültig eine subjektive Auswahl, wenn nicht sogar ein fragwürdiges Monopol.

Welche anderen Möglichkeiten habe ich noch? Es gibt gleich zwei Apps, die einen Überblick über die  deutschsprachigen Zeitungen mit Online-Auftritt anbieten: Zeitungen free und Deutsche Zeitungen. Beide leisten mit unterschiedlicher Optik das gleiche: Es wird eine Liste von Zeitungen angezeigt von Berliner Morgenpost bis Kicker. Durch Drücken auf den Namen wird man zur Startseite der jeweiligen Online-Ausgabe weitergeleitet. Wie gut das auf dem Handy lesbar ist, hängt natürlich von der Gestaltung der jeweiligen Zeitung ab. Sympathisch ist, dass man bei Deutsche Zeitungen auch selber noch weitere Medien und Webseiten hinzufügen kann – es soll ja Zeitungen in Deutschland geben, die noch nicht so viele Leser haben und trotzdem interessant sind. Was aber bei beiden Apps nicht geht ist die Inhalte automatisch zu durchsuchen. Dafür kann ich nur – relativ mühsam – die Suche nutzen, die die jeweilige Redaktion auf ihrem Webangebot selber anbietet.

So ganz überzeugen mich aber die Auftritte all dieser Zeitungen auch nicht. Sie sind kaum mehr als ins Netz verfrachtete Papierausgaben und nutzen nur unzureichend die Möglichkeiten des neuen Mediums. Besser machen es die Apps der führenden Nachrichtensendungen bzw Sender. Mir gefällt hier vor allem die App der Tagesschau und die von ntv. Irgendwie scheinen die die Videos so zu komprimieren, dass sie auf meinem Gerät auch unterwegs flüssig laufen. Journalistisch sind diese Nachrichtenhäppchen allerdings etwas fragwürdig, weil die Bilder oft nur über die wenigen handfesten Informationen und fehlenden Hintergründe hinwegtäuschen. Bilder suggerieren oft etwas, was die Tatsachen gar nicht hergeben. Sie können leicht einen falschen Eindruck erwecken oder gar im Zeitalter des embedded journalism Propaganda darstellen. Nun, ich muss dabei ja nicht stehenbleiben und habe die anderen Quellen auch noch zur Verfügung – siehe oben.

Neben den allgemeinen und politischen Nachrichten interessieren mich auch noch Spezialthemen z.B. Computer und Technik. Für die gibt es zahlreiche englischsprachige Apps – von Engadget bis Technews. Weil ich aber diese Nachrichten doch lieber auf Deutsch lesen will, lade ich mir die App von Heise Online herunter. Diese bietet auch noch Zugriff auf Inhalte der Zeitschriften c’t und iX, Technology Review, Heise Open Source, Telepolis, Heise Security und andere Angebote aus dem Heise Verlag. Man bekommt also ne ganze Menge mit einer einzigen App und das kostenlos. Da will ich über die gelegentlichen Verweise auf weiterführende Infos in der Druckausgabe und die teilweise etwas schlichte Optik nicht meckern.

Nun bin ich also informiert und als Nachrichtenjunkie auch unterwegs ausreichend mit Nachschub ausgestattet. Ob das mich glücklicher macht, weiß ich nicht. Die alten Chinesen hatten dafür ja auch ein hochaktuelles Sprichwort: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben.“ Dies war als üble Verwünschung gemeint.

P.S.: Die App Deutsche Nachrichten ist nach Erscheinen diese Blog Beitrags offenbar aus dem Market verschwunden. Der Dateiname lautet: com.barisefe.germanynewspapers. Vielleicht hilft das ja bei der Suche nach einer alternativen Downloadquelle.

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Radio hören mit dem Handy

25. Juni 2011

Nein, hier ist jetzt nicht die Rede von so neumodischem Zeug wie Internetradio. Hier soll es um das gute alte UKW Radio gehen. Schließlich will ich gerade unterwegs Radio hören und dann habe ich nicht unbedingt Internetbandbreite satt per WLAN. UKW hingegen ist fast überall empfangbar und fast jedes moderne Handy kann es. Als Antenne fungiert der Kopfhörer, der wohl gleichzeitig noch ein paar Drähte hat, um UKW-Wellen zu empfangen. Dieser Kopfhörer ist bei meinem Handy nicht im Lieferumfang enthalten, ich muss ihn also gesondert bestellen (Nach meinen schlechten Erfahrungen mit dem ersten gelieferten Ding empfehle ich allen Besitzern von Samsung Geräten unbedingt vor der Bestellung die Kompatibilitätsliste zu prüfen). Inzwischen habe ich einen Kopfhörer, der beides kann: Radio empfangen und den Ton ordentlich wiedergeben. Nun kann es also mit dem Radio-Ausprobieren losgehen.

Aber lohnt sich das überhaupt? Tatsächlich ist Radio hören eine coole und überhaupt nicht unmoderne Sache. Gerade weil man nicht nur das hört, was man eh schon kennt, sondern viel neues erfährt.  An den reinen Musik- und Verkehrsfunksendern bin ich weniger interessiert. Schon eher spannend finde ich den Deutschlandfunk und den lokalen Alternativsender Radio-X. Ähnliche Radioprojekte wie Radio-X, wo Hobby-Moderatoren selber Radio machen können, gibt es übrigens in fast jeder Stadt und Region. Lohnt sich auf jeden Fall reinzuhören, wenn man mehr will als das übliche Zudröhnen mit Musik, blöden Sprüchen und Werbung. Speziell beim Deutschlandfunk hab ich auch schon oft tolle Reportagen gehört und konnte die dann später sogar auf der Webseite mit Quellen nachlesen. Prinzipiell kann ich das nun beides mit meinem Android-Handy machen und das will ich jetzt ausprobieren.

Die Radio App finde ich noch nicht auf dem Home-Screen sondern nur in der App Liste. Sie hat ein altes Röhrerradio als Symbol – ich hoffe, das ist kein schlechtes Vorzeichen. Sie zeigt in der Mitte einen Drehknopf, der auch wirklich so funktioniert wie er aussieht: Mit kreisenden Bewegungen kann man hier ganz wie bei einem richtigen Radio die Frequenz verstellen. Das ist zwar ganz nett, aber wenig effektiv um Sender zu finden. Lieber lass ich das Radio selber die Sender suchen. Dies leisten die Pfeile, die rechts und links neben dem Drehknopf angebracht sind. Sie starten, ausgehend von der aktuellen Frequenz, eine Suche nach dem nächsten halbwegs empfangbaren Sender. Dabei werden auch Sender mit sehr schlechtem Empfang gefunden. Ist der Sender zu verrauscht, klick ich erneut und suche weiter. Auch das ist natürlich nicht sonderlich effektiv – gibt es denn keine Funktion, um den ganzen UKW Bereich automatisch zu durchsuchen? Doch, die gibt es! Im Optionenmenü finde ich einen Button fürs Scannen. Nach dem Drücken passiert aber zunächst scheinbar gar nichts – jetzt bin ich verwirrt.  Nach einer Weile kriege ich raus, dass doch etwas passiert ist. Die gefundenen Sender werden nach dem Scannen unter Alle Kanäle aufgelistet.

Wie kann ich nun die Sender, die ich wirklich hören will, speichern?  Auf dem Hauptbildschirm finde ich nur ganze 4 Button für meine Lieblingssender – nicht gerade viel. Durch langes Drücken auf die Buttons kann ich hier die Einstellung vornehmen oder wieder verändern. Aber ich will doch mehr als 4 Sender speichern? Schließlich entdecke ich wie das geht: In der Liste Alle Kanäle kann ich Namen für die gefundenen Frequenzen vergeben. Immerhin: Wenn ich mir einmal die Mühe gemacht habe, die Sender korrekt zu bezeichnen, kann ich mir über diese Liste relativ schnell den wählen, den ich hören will.

Zum Teil werden die Sendername auch bereits zusammen mit dem Sendesignal übermittelt. Warum die App dies allerdings nicht gleich abspeichert ist mir ein Rätsel. Bei vielen Sendern wird aber der Sendername noch nicht einmal live angezeigt. Dann muss ich wohl solange den Sender hören, bis der Name irgendwann vom Moderator genannt wird. Etwas schneller geht es, wenn ich von vornherein gezielt die richtige Frequenz ansteuere, indem ich vorher in einer Frequenzliste im Internet nachsehe.

Voraussetzung zum Radiohören ist natürlich ein guter Empfang. Unter freiem Himmel geht es fast immer, auch noch in vielen Gebäuden und (meist) im Fitnesstudio. Nur in der U-Bahn habe ich schlechte Karten – da muss dann doch wieder der MP3 Player oder Podcasts ran. Oder ein Buch – noch so ein altmodisches Medium, dass ich nicht vermissen möchte. 😉